Ferenc Karl Fricsay [ˈfɛrɛnt͡s ˈfrit͡ʃɒi] (* 9. August 1914 in Budapest, Österreich-Ungarn; † 20. Februar 1963 in Basel) war ein österreichischer Dirigent ungarischer Herkunft, der vor allem in Ungarn, Österreich und Deutschland wirkte.

Biographie

Kindheit und Jugend

Er entstammt einem musikalischen Elternhaus und ist Sohn des ungarischen Militärkapellmeisters Richard Fricsay und von Berta Lengyel. Sein Vater erteilte ihm den ersten Musikunterricht. Fricsay trat bereits mit sechs Jahren in die Budapester Musikhochschule ein, die berühmte Franz-Liszt-Musikakademie, an der zu dieser Zeit u. a. Béla Bartók (Klavier), Zoltán Kodály (Komposition) und Ernst von Dohnányi (Klavier) lehrten. Er erlernte nahezu sämtliche Orchesterinstrumente und studierte auch Komposition. Mit fünfzehn Jahren sprang er für den Vater ein und gab damit sein Dirigentendebüt.

Kapellmeister in Ungarn

1933, nach erfolgreicher Abschlussprüfung an der Akademie, lehnte er eine Anstellung als Korrepetitor an der Budapester Oper ab und erhielt seine erste Festanstellung als Kapellmeister der Militärkapelle in der Universitäts- und Garnisonsstadt Szeged. 1934 wurde er auch Dirigent des örtlichen städtischen Philharmonischen Orchesters. In diesem Jahr heiratete er das erste Mal. Aus dieser Ehe gingen drei Kinder hervor. 1939 gastierte er zum ersten Mal an der Budapester Oper. Im darauffolgenden Jahr dirigierte er zum ersten Mal in der Szegediner Oper („Rigoletto“ von Verdi). 1942 wurde gegen Fricsay ein Militärgerichtsverfahren eröffnet, weil er jüdische Künstler engagieren wollte. Mitte März 1944 besetzten deutsche Truppen in der „Operation Margarethe“ Ungarn. Im Sommer dieses Jahres warnte er Freunde und Bekannte vor der bevorstehenden Verhaftung durch die Gestapo und geriet dadurch selbst in Gefahr, verhaftet zu werden. Deswegen und auch wegen seiner jüdischen Herkunft (seine Mutter war Jüdin, er selbst war römisch-katholischen Glaubens) musste er mit seiner Frau und seinen drei Kindern aus Szeged fliehen und in Budapest untertauchen.

Im Januar 1945 wurde ihm der Posten des Ersten Kapellmeister an der Staatsoper Budapest angeboten. In dieser Position lernte er später Otto Klemperer kennen. Er teilte sich zudem mit László Somogyi das Chefdirigat des Budapester Hauptstädtischen Orchesters, der heutigen Ungarischen Nationalphilharmonie, und dirigierte bereits Ende Januar 1945 ein Konzert mit diesem Orchester. Er verließ den Militärdienst als Hauptmann. Die Staatsoper wurde im März 1945 wiedereröffnet, im selben Monat starb Fricsays Vater. Im April 1945 dirigierte Fricsay eine Aufführung von Verdis La traviata.

Der internationale Durchbruch

Ende 1946 nahm er eine Einladung an die Wiener Staatsoper an und anschließend das Angebot, die Assistenz von Otto Klemperer bei den Salzburger Festspielen zu übernehmen. Fricsay gab im Sommer 1947 mit dem Budapester Hauptstädtischen Orchester in Wien ein Konzert, zu dessen Gästen auch Herbert von Karajan gehörte.

Im August 1947 erfolgte sein internationaler Durchbruch, als er bei den Salzburger Festspielen für den an einem Gehirntumor erkrankten Otto Klemperer die Uraufführung von Dantons Tod von Gottfried von Einem übernahm. Die Einladung hierzu erfolgte auch auf Anregung von Herbert von Karajan, der sich gegenüber dem Komponisten für das Talent des jungen Ungarn verbürgte. Nun folgten Einladungen von überall, auch solche für die Salzburger Festspiele 1948 und 1949.

Wirken an der Wiener Staatsoper und bei den Salzburger Festspielen

Ab 1947 war er Gastdirigent an der Staatsoper in Wien. Er musste vor allem Repertoire-Opern dirigieren. Nach seinen dortigen Erfahrungen machte es sich Fricsay zum Grundsatz, nur von ihm selbst einstudierte Produktionen zu dirigieren.

Fricsay legte in der Folgezeit besonderen Wert auf den Ensemblegedanken, d. h., die Erarbeitung eines Werks und dessen Aufführung mit einem festen Kern von gleichgesinnten Interpreten. Dazu zählten u. a. Dietrich Fischer-Dieskau, Rita Streich, Maria Stader, Ernst Haefliger, Josef Greindl und bis zu dessen Unfalltod 1954 auch Peter Anders. Bevorzugte Instrumentalsolisten Fricsays waren Yehudi Menuhin, Géza Anda, Clara Haskil und Annie Fischer. Mit diesen Künstlern arbeitete er bis ans Ende seiner Dirigentenlaufbahn immer wieder zusammen. 1948 dirigierte er bei den Salzburger Festspielen die szenische Uraufführung von Frank Martins Le vin herbé (Der Zaubertrank) und 1949 die von Carl Orffs Antigonae. Er erntete für beide Aufführungen großen internationalen Zuspruch. Bereits 1948 wurde er zu einem Opern- und Konzertgastspiel in Berlin eingeladen.

Karriere in Berlin

Er debütierte im November 1948 an der Städtischen Oper Berlin mit Verdis „Don Carlos“, im selben Monat mit dem Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin sowie im Dezember 1948 bei den Berliner Philharmonikern und dem RIAS-Symphonie-Orchester (von 1956 bis 1993 Radio-Symphonie-Orchester Berlin, seit 1993 Deutsches Symphonie-Orchester Berlin). Nach den hierdurch erzielten Erfolgen ernannte man Fricsay mit einem Doppelvertrag noch Ende Dezember 1948 mit Wirkung zum September 1949 zum Generalmusikdirektor der Städtischen Oper Berlin und zum Chefdirigenten des erst zwei Jahre alten RIAS-Symphonie-Orchesters. Bei letzterem hatte er im Juni 1949 sein offizielles Antrittskonzert als Chefdirigent. Fricsay formierte das Orchester neu und führte es binnen weniger Jahre zu internationalem Ansehen. Noch 1949 holte er fast dreißig der besten Musiker der berühmten Staatsoper Unter den Linden zum RIAS-Symphonie-Orchester, das in der Folgezeit insbesondere für seine Blechsektion berühmt wurde. Fricsay spielte fortan beim Wiederaufbau des Musiklebens im Nachkriegsdeutschland, insbesondere in Berlin, eine zentrale Rolle.

Exklusivvertrag mit der Deutschen Grammophon Gesellschaft

Ende Dezember 1948 schloss er einen Exklusivvertrag mit der Deutschen Grammophon Gesellschaft, für die er im September 1949 seine erste Langspielplatte einspielte (5. Symphonie von Tschaikowsky mit den Berliner Philharmonikern). Damit wurde zugleich das Ende der Schellackplattenära eingeläutet. Da das Rundfunkarchiv des RIAS ganz neu angelegt werden musste und die Deutsche Grammophon Gesellschaft ihr Aufnahmerepertoire neu entwickelte, begann nun eine produktive Phase der Erstellung von Aufnahmen.

Gastspiele und Lösung des Vertrages in Berlin

1948 dirigierte er anstelle des erkrankten Otto Klemperer in Salzburg die Uraufführung von Gottfried von Einems Oper „Dantons Tod“ bei den Salzburger Festspielen. 1950 dirigierte er bei den Festspielen von Edinburgh „Le nozze di Figaro“ (Mozart) und gab sein Debüt in Buenos Aires mit den „Carmina Burana“ (Orff). Er heiratete seine zweite Frau Silvia, geborene Valeanu, (* 1. Januar 1913 in Budapest; † 21. Januar 2003 in der Schweiz), die geschiedene Schwägerin des Skifahrers Horst Scheeser, die einen Sohn mit in die Ehe brachte. Im April 1951 dirigierte er am Teatro San Carlo in Neapel die italienische Erstaufführung von "Herzog Blaubarts Burg" (Bartók). Im November 1951 gab er sein erstes Konzert mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks und im Frühjahr 1952 mit dem Concertgebouw-Orchester Amsterdam.

Im Mai 1952 bat er, wohl wegen der strapaziösen Belastung durch die Doppelverpflichtung, um die Lösung seines Vertrages mit der Städtischen Oper Berlin, der im Juni entsprochen wurde. In diesem Jahr übernahm er für den erkrankten Wilhelm Furtwängler dessen Konzerte bei den Salzburger Festspielen. Dem RIAS-Symphonie-Orchester stand er noch bis 1954 vor. Er blieb dem Orchester jedoch in der Folgezeit durch zahlreiche Gastspiel-, Tournee- und Schallplattenverpflichtungen eng verbunden.

1952 bezog Fricsay mit seiner Familie das Haus Westerfeld in Ermatingen (Schweiz/Kanton Thurgau) am Bodensee als ständigen Wohnsitz. Seit dieser Zeit war er ständiger Gast bei den Luzerner Musikfestwochen, auch dort übernahm er 1952 die Konzerte des erkrankten Wilhelm Furtwängler. Im selben Jahr gab er ein Gastspielkonzert mit dem Kölner Rundfunk-Sinfonie-Orchester und konzertierte bei den Salzburger Festspielen mit den Wiener Philharmonikern.

Reisedirigententätigkeit

1953 begann er eine ausgedehnte Reisedirigententätigkeit (u. a. Paris, Mailand/Scala, Luzern), die ihn im November des Jahres auch in die USA (Boston, Houston und San Francisco) führte. Auf Grund des sehr erfolgreichen Konzerts in Houston wurde er dort für die nächste Saison 1954/55 als Musikdirektor und Hauptdirigent verpflichtet. Im Juni 1954 gab er sein Israel-Debüt mit dem Israel Philharmonic Orchestra. Das von ihm dort mit großem Erfolg aufgeführte Werk war das Requiem von Verdi. Ende Oktober 1954 kam Fricsay nach Houston, um das dortige Houston Symphony Orchestra zu übernehmen, was jedoch letztlich scheiterte. Das Orchester hielt sich nicht an gegebene Zusagen, so dass er den geschlossenen Vertrag bereits im Januar 1955 wieder löste.

An der Staatsoper in München

Nach einer zweiten Konzertreise durch Israel wurde Fricsay von 1956 bis 1958 Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper München. Der durchschlagende Erfolg stellte sich jedoch nicht ein, was wohl vor allem dem Umstand geschuldet war, dass er der Musik von Richard Strauss und Richard Wagner nicht, wie dort sonst üblich, eine prominentere Stellung einräumte. Zudem beharrte Fricsay darauf, in Besetzungsfragen ein gewichtiges Wort mitzureden. Statt Wagner oder Strauss in den Mittelpunkt zu setzen, verfolgte er in München vor allem das Ziel, das italienische Fach neu aufzubauen und neue Repertoire-Akzente zu setzen u. a. mit Aufführungen von „Otello“ (Verdi), „Chowanschtschina“ (Mussorgski), „Lucia di Lammermoor“ (Donizetti), „Wozzeck“ (Berg), „Le Roi David“ (Honegger), „Un ballo in maschera“ (Verdi), „Oedipus Rex“ (Stravinsky) und „Herzog Blaubarts Burg“ (Bartók).

1957 nahm er für die Deutsche Grammophon Gesellschaft in München den „Fidelio“ (Beethoven) auf, die erste Stereoeinspielung der deutschen Schallplattenindustrie überhaupt. 1958 leitete er ein Wohltätigkeitskonzert zugunsten des Wiederaufbaus des Nationaltheaters München. Zu dieser Gelegenheit erfolgte die erste Eurovisions-Liveübertragung eines öffentlichen Konzerts aus Deutschland. Im selben Jahr dirigierte er im Juni die Vorstellung von „Le Nozze di Figaro“ (Mozart) zur Wiedereröffnung des Münchner Cuvilliés-Theaters (heute: Altes Residenztheater). Danach wandelte er den Generalmusikdirektorvertrag in einen Gastspielvertrag um. 1958 begann Fricsay eine Aufnahmeserie aller Beethoven-Symphonien, die jedoch wegen seines frühen Todes unvollendet blieb.

Erster Ausbruch der Krankheit und zeitweilige Genesung

Ende November 1958 wurde bei Fricsay ein Magengeschwür diagnostiziert, er wurde noch im selben Monat in Zürich operiert, eine zweite Operation folgte im Januar. Eine mehrmonatige Erholungsphase bis zum September 1959 war die Folge.

Wieder Chefdirigent in Berlin

Ab 1959 bis zu seinem Tod wurde Fricsay erneut Chefdirigent des RIAS-Symphonie-Orchesters, das nach dessen Zusammenarbeit mit dem Sender Freies Berlin 1956 in Radio-Symphonie-Orchester Berlin umbenannt wurde (und heute Deutsches Symphonie-Orchester Berlin heißt). Fricsay leitete das Orchester im September 1959 im ersten Konzert nach seiner Krankheitspause und dann im Wiedereröffnungskonzert für den Großen Sendesaal des Senders Freies Berlin, zugleich der Nachkriegsstart des deutschen Rundfunks in die Stereophonie.

1960 erhielt Fricsay die österreichische Staatsbürgerschaft, nachdem ihm durch den gescheiterten Ungarn-Aufstand vom Oktober 1956 endgültig jeder Zugang in seine Heimat verschlossen blieb. Im April wurde er wieder als Generalmusikdirektor in Berlin ab der Saison 1961/1962 verpflichtet. Im Frühjahr 1961 unternahm das Radio-Symphonie-Orchester-Berlin unter der Leitung Fricsays zusammen mit Yehudi Menuhin als Solist eine Europatournee. Sie führte durch Deutschland, nach Kopenhagen, London und Paris. Bei den Salzburger Festspielen 1961 dirigierte Fricsay im Großen Festspielhaus in Salzburg dreimal Mozarts "Idomeneo", der als Beginn eines neuen Mozart-Zyklus unter seiner musikalischen Leitung gedacht war.

Eröffnung der Deutschen Oper in Berlin

Wenige Tage nach dem Bau der Berliner Mauer eröffnete er am 24. September 1961 die neu gebaute Deutsche Oper Berlin in der Bismarckstraße mit einer Neueinstudierung des „Don Giovanni“ (Mozart). Hier fand auch zum ersten Mal die Live-Übertragung einer Oper im Fernsehen statt. Im Oktober 1961 erhielt Fricsay das Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland und es erfolgte seine letzte Schallplattenaufnahme mit dem Radio-Symphonie-Orchester Berlin. Im November 1961 gab Fricsay in Bonn sein letztes Konzert mit diesem Orchester. In diesem Monat wurde auch der späteste noch erhaltene Konzertmitschnitt aufgenommen.

Erneuter Ausbruch der Krankheit und Tod

Nach mehreren Gastspielkonzerten in London erkrankte Fricsay im Dezember 1961 wieder schwer, was weitere Operationen nach sich zog. Am 7. Dezember 1961 gab Fricsay sein letztes Konzert überhaupt. Er sagte alle weiteren Verpflichtungen ab. Im Sommer 1962 schien auch diese Krankheitsphase überwunden, was sich jedoch als falsch herausstellte. In diesem Jahr erschien noch ein von ihm verfasstes Buch mit dem Titel „Über Mozart und Bartók“, in dem er seine grundlegenden Ansichten zur klassischen Musik im Allgemeinen und zur Musik der im Titel genannten Komponisten im Besonderen darlegte. Fricsay starb mit nur 48 Jahren im Februar 1963 in Basel an den nicht rechtzeitig erkannten Folgen einer Gallenblasenperforation und wurde auf dem Friedhof in Ermatingen beigesetzt.

Probendirigent und Orchestererzieher

Fricsay war ein Probendirigent und Orchestererzieher, der ausgiebig und oft auch streng probte, was den Umgang der Orchestermusiker mit ihm manchmal nicht einfach machte. Jedoch zeitigte dies positive spieltechnische Ergebnisse und führte zu zweifellos hervorragenden künstlerischen Leistungen. Ihm kam außerdem zugute, dass er angeblich sämtliche Orchesterinstrumente (außer der Harfe) beherrschte. Diese Kenntnisse konnte er im Rahmen seiner stets intensiv geführten Probenarbeit ausspielen.

Der Fernsehmitschnitt der Probe zur „Moldau“ verdeutlicht ein weiteres besonderes Merkmal der Probenarbeit Fricsays, nämlich, dass er dem Orchester das musikalische Geschehen plastisch, lebendig und bildhaft schilderte und wenn nötig auch passagenweise vorsang, um seine musikalischen Vorstellungen zu verdeutlichen und zu dem von ihm gewünschten klanglichen Ergebnis zu gelangen. Dies unterstreicht, dass seinen Proben stets ein umfassendes Konzept des jeweiligen Werks zugrunde lag und er exakt wusste, was er haben wollte.

Fricsay bevorzugte einen klaren, transparenten Orchesterklang, der straff, elastisch und präzise war. Zugleich besaß er einen hervorragenden Sinn für Rhythmik. Insbesondere seine Aufnahmen aus jungen Jahren zeugen von großer Kraft, Energie und Vitalität. Dies bildete jedoch auch einen Gegenstand der Kritik, da manchen seiner frühen Aufführungen zu große emotionale Kälte und eine gewisse Starre bescheinigt wurde. Zu viel äußerliche Brillanz und bloßer Effekt wurden moniert ebenso wie zu wenig Entspannung und Gelöstheit. Ein Vorwurf, der jedoch so in späteren Jahren nicht mehr erhoben wurde.

Seit Anfang 1959 war Fricsay zunehmend von schwerer Krankheit gezeichnet, was oft mit einem anderen, neuen Dirigiergestus Fricsays verbunden wird. So wirken seine Aufnahmen aus dieser Zeit „vergeistigter“, jedenfalls sind sie fast durchweg langsamer als solche aus der Zeit vor dem Ausbruch der Krankheit. Wiewohl dies oft als unmittelbare Folge der Krankheit gesehen wird, ist hierin jedoch wohl auch ein Reifeprozess des Künstlers und der Person Fricsay insgesamt zu sehen, der sich erst jetzt voll auswirkte.

Repertoire und Aufnahmen

Sein Repertoire war weitgespannt, von Georg Friedrich Händel bis Bernd Alois Zimmermann. Einen besonderen Schwerpunkt nahm das Werk Mozarts ein. Von Anfang an setzte er auch die bis dato im Konzertsaal eher vernachlässigte Musik Joseph Haydns und Musik des 20. Jahrhunderts aufs Programm. Trotz seines frühen Todes gelang es ihm, Interpretationen von mehr als 200 klassischen Werken für die Nachwelt festzuhalten und das RIAS-Symphonie-Orchester auf einen den Berliner Philharmonikern vergleichbaren Standard zu bringen. Aus der Fülle seiner Aufnahmen seien neben seinen Bartók-, Kodály- und Mozart-Einspielungen insbesondere die der Tschaikowsky-Symphonien und die der Strauß-Walzer hervorgehoben. Bekannt wurden seine Aufnahmen der drei Klavierkonzerte von Béla Bartók mit Géza Anda als Solist.

Auszeichnungen

Unter den Auszeichnungen, die Fricsay für seine Aufnahmen erhielt, befinden sich der Deutsche Kritikerpreis, der Grand Prix du Disque, die Mozartmedaille durch die Mozartgemeinde Wien und der Deutsche Schallplattenpreis. In den Jahren 1977 und 1978 gab die Deutsche-Grammophon-Gesellschaft eine Ferenc-Fricsay-Edition mit 40 Schallplatten heraus, die 94 einzelne Kompositionen enthielten. Diese Aufnahmen erhielten 1979 sämtlich den Großen Preis der Deutschen Schallplattenkritik.

Medienkünstler von europäischem Rang

Fricsay gilt als „erster Medienkünstler von europäischem Rang“ (Ulrich Schreiber) und trieb sowohl die Rundfunkübertragung als auch die Schallplattenaufnahmetechnik entschieden voran. Er interessierte sich im Gegensatz zu vielen anderen Dirigenten sehr für die Aufnahmetechnik. Fricsay führte eine kompromisslose Qualitätskontrolle seiner Einspielungen durch und gab diese erst frei, wenn die klangliche Wiedergabe vollumfänglich seinen Vorstellungen entsprach. Anderenfalls bestand er auf Nachaufnahmen. Er setzte sich früh für die Stereophonie ein, sowohl bei der Schallplatte als auch im Rundfunk.

Einer breiteren Öffentlichkeit wurde Fricsay vor allem durch eine Fernsehdokumentation bekannt, die ihn im Jahr 1960 bei der Probenarbeit zur „Moldau“ von Smetana mit dem Südfunk-Sinfonieorchester zeigt. Dies war zugleich auch der erste Versuch im europäischen Fernsehen, klassische Musik durch ein Werkstatterlebnis einem breiten Publikum nahezubringen.

Die Arbeit Fricsays hat jedoch keine adäquaten Nachwirkungen hinterlassen. Dies ist neben dem Umstand seines frühen Todes wohl vor allem der Tatsache geschuldet, dass die Deutsche Grammophon in der Nachfolge zu Fricsay nach dessen Tod umgehend einen anderen Dirigenten zur Galionsfigur erhob, der ein „Medienprofi“ war und bestens um die Kunst der Selbstinszenierung wusste: Herbert von Karajan. Die Person Fricsays und seine Verdienste gerieten dadurch in den Hintergrund.

Im November 1974 wurde die Ferenc-Fricsay-Gesellschaft gegründet und anlässlich der Berliner Festwochen 1975 konstituiert. Sie hat sich der Wahrung des Andenkens des Dirigenten verschrieben und fördert Veröffentlichungen seiner Aufnahmen.

Verschiedenes

  • Der Probensaal des Deutschen Symphonie-Orchesters im Fernsehzentrum des Rundfunks Berlin-Brandenburg und der Konzertsaal der Fakultät für Musik der Universität Szeged (Ungarn), sowie eine Serie der symphonischen Konzerte des Symphonieorchesters Szeged tragen den Namen von Ferenc Fricsay.
  • Er ist der Vater von drei Kindern: dem ältesten Sohn Ferenc, dem Theaterregisseur András Fricsay, der unter anderem Peter Maffays Musical „Tabaluga“ inszenierte, und der Tochter Marta Dobay-Fricsay.
Quelle: Wikipedia